
Eine spannende Konstellation an Diskutanten bot das Eröffnungspanel des trendforum: Moderiert von Johannes Höfer, Geschäftsführer der Handelsblatt-Verlagsgruppe, gingen führende Trendforscher aus ganz Europa auf aktuelle Herausforderungen für Unternehmen und Gesellschaften ein. Mit Prof. Dr. Markku Wilenius vom Institut Future Studies an der finnischen Turku School of Business war die wirtschaftswissenschaftliche Trendforschung vertreten, während Dr. Christine Woesler de Panafieu vom Pariser Beratungsunternehmen CoSight die soziologische Komponente einbrachte – und Nils Müller, Gründer und CEO von TrendONE, den technologieaffinen Part des modernen Netizen übernahm. Haupterkenntnis der Expertenrunde: Technologie ist nichts – ohne den Menschen. Und das bedeutet auch: Technik ist kein Selbstzweck, sondern nur so sinn- und nutzvoll, wie sie vom Nutzer verstanden und akzeptiert wird. Und wenn auch angesichts technologischer Innovationen wie Gehirnwellen-Lesegeräten und Kontaktlinsen, die in James-Bond-Manier Inhalte auf’s User-Auge projezieren, die Begeisterung über das, was theoretisch möglich ist im Saal sichtbar war – so gab es durchaus Skepsis bei Podium und Zuhörerschaft ob der Implikationen, die derartige Innovationen hinsichtlich Datenschutz und individueller Selbstbestimmung haben.
So war dann auch die Präsentation von Nils Müller, eingeleitet mit einem Zeitsprung für das gesamte Auditorium, zwar die lebendigste und multimedialste der heutigen Vormittagsrunde – doch so richtig vorstellen können sich die meisten die angekündigte Verschmelzung von Realität und Virtualität offensichtlich noch nicht. So meinte denn auch Dr. Woesler de Panafier: “Den Einsatz moderner Technologien für Zwecke wie z.B. Wissensvermittlung und ähnliches halte ich für sehr sinnvoll – aber ich glaube, gerade wenn es um Eingriffe in den eigenen Körper geht, bestehen ethische Grenzen, die die Menschen heutzutage noch nicht übergehen wollen.” – oder, wie Nils Müller es ausdrückte: “Der User ist der bottleneck.”
Dass vor allem die Gehirnforschung in Zukunft eine große Rolle spielen wird, um Technologien zu entwickeln, die den Menschen im besten Sinne zu Diensten sind, darüber war sich das Panel einig – ebenso wie über den Fakt, dass neben Trends in Sachen technologischer Innovationen auch globale Trendthemen wie Klimawandel, Bevölkerungswachstum und demographischer Wandel eine zunehmend bedeutsame Rolle spielen – für Gesellschaften, Unternehmen und letztlich jeden Einzelnen.

Herausforderungen Umweltbewusstsein und Bevölkerungsdynamik: Prof. Markku Wilenius beschrieb demographischen Wandel, Klimawandel und den Wettbewerb zwischen etablierten und aufstrebenden Wirtschaftsmächten als Key Trends, denen sich moderne Unternehmen und Institutionen stellen müssen.

Laut Soziologin Dr. Woesler de Panafieu sind die Entwicklungen hin zum gesellschaftlich engagierten Individualisten und zur community-basierten Zivilgesellschaft bedeutsame Punkte im gerade stattfindenden Paradigmenwechsel – von der Post- zum Ultramodernität.

Nils Müller beschrieb die Welt, wie sie sich uns in rund zehn Jahren präsentieren wird – in eindrucksvollen Bildern und mit heute schon existierenden Technologien, die das Auditorium zum Staunen brachten – aber auch zum Nachdenken.
Die einzelnen Speaker haben wir im Anschluss an das Panel auch im Interview ausführlich zu ihrem Standpunkt befragt – die Videos folgen in wenigen Minuten.