Das Auto der Zukunft - Volkswagen 2028

In die Höhle des Löwen wagte sich gewissermaßen Thomas Ingenlath, Head of Volkswagen Design, der seinen Vortrag über die „Mission Zero Emission“ nun eben ausgerechnet in der BMW Welt zum besten gab. Tatsächlich ist dies natürlich kein Problem, schließlich geht es doch um das gemeinsame Ziel, nämlich die Reduktion des CO2-Ausstoßes. Thomas Ingenlath warf drei Fragen als Säulen seines Referats in den Raum. Sein erster Ansatz war der, eine Kausalität zwischen dem Erdölpreis und unserem ästhetischen Empfinden herzustellen. Thomas IngenlathWie genau beeinflusst beispielsweise die Ölkrise 1973 oder der enorme Preisanstieg für Erdöl im letzten Jahr die Gestaltung von neuen Automodellen? Thomas Ingenlath verdeutlichte am konkreten Beispiel, wie aufgrund des Mangels an Erdöl ein Umdenken hin zu vernünftigen Konzeptionen in der Autoentwicklung eintraten. Aspekte wie Aerodynamik, die im direkten Zusammenhang mit dem Verbrauch eines Autos stehen, wurden wieder stärker ins Bewusstsein gerufen – und ebenso schnell leider auch wieder vergessen. Denn das Auto ist und bleibt ein Statussymbol. Und so sind Kraft und Aggressivität lange Zeit und irgendwie auch heute noch Sinnbild des Autodesigns, bei dem optische Kriterien wichtiger waren als funktionale.

Der Trend geht jedoch in den letzten Jahren wieder verstärkt in Richtung Funktionalität. Gerade bei den immer höher steigenden Benzinpreisen lässt sich klar eine Tendenz hin zu Fahrzeugen mit geringerem Verbrauch erkennen. So wecken plötzlich Autos, die ihrer Zeit eigentlich voraus waren, wie der Audi A2 und der 3-Liter-Lupo plötzlich wieder das Interesse der Endkunden. Blöd nur, wenn wie im Fall des A2, diese nun nicht mehr hergestellt werden. Aber die Autoentwicklung ist ja auch nicht stehen geblieben und so geht Thomas Ingenlath der Frage nach, welchen Gestaltungsprinzipien das Design von Niedrigverbrauchsfahrzeugen heutzutage folgt. „Es lässt sich eine stärker werdende Sympathie für die Retrowelle gegen den maskulinen Trend erkennen,“ so sein Fazit. Und so finden Gestaltungsparadigmen der Vergangenheit erneut Eingang in die Fragen des Autodesigns.

Seinen dritten Themenschwerpunkt nennt Thomas Ingenlath die Renaissance der technischen Eleganz. VW habe sich aufgrund des Ölschocks 2008, so der Referent, nun wieder extremerer Studien in der Autoentwicklung zugewandt. Und so beschreibt er das Ein-Liter-Auto als Fahrzeugvision der Zukunft.

Um aber tatsächlich das große Ziel „Zero Emssion“ eines Tages zu erreichen, bedarf eines extremen Umdenkens bei den Menschen – weg vom Auto als Statussymbol, welches sich noch immer durch Kraft und enorme Größe definiert. Thomas Ingenrath konkretisiert dies am Beispiel des Elektroautos. Selbst bei einer Reichweite von 50 Kilometern, sollte die Fragestellung eher die sein, ob man mehrheitlich tatsächlich größere Entfernungen als diese in seinem Alltag zurücklegen muss. Thomas Ingenrath plädiert daher in seinem Vortrag dafür, dass man sich vom Dogma, ein Auto müsse imstande sein, vier Personen zu transportieren, allmählich lösen sollte. Eine durchaus streitbarer Ansatz, schließlich orientiert sich dieses Konzept primär an eine immer kleiner werdenden Familie. So blieb in der sich anschließenden Diskussionsrunde natürlich nicht die Frage nach Angeboten verbrauchsniedriger Fahrzeuge für die klassische Familie aus, die keinen Eingang in den Vortrag gefunden haben.

Dies verdeutlicht, dass längst nicht alle Fragen zu diesem Thema behandelt sind. Ein erster und wichtiger Schritt ist für Thomas Ingenrath, an die Autofahrer heranzutreten, die „sehr viel Leerraum“ mit sich herumfahren, sprich allein in riesigen Wagen durch die Gegend fahren. So wird einer der kommenden Trends in den nächsten Jahren die Entwicklung von Ein-Personen-Fahrzeugen sein. Aber bis dahin gilt es jedoch noch große Überzeugungsarbeit bei den Menschen zu leisten, damit der von Thomas Ingenlath gewünschte Wandel im Denken möglichst bald erfolgt und dass das umweltfreundliche Auto zum neuen Statussymbol generiert werden kann.


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